Die Kantonalkirchen sind einer der beiden Pfeiler (oder auch eine der beiden Lungen, wie es mal eine Präsidentin und Ärztin ausgedrückt hat) des dualen Systems. Dieses duale schweizerische Kirchensystem ist sicherlich wenn auch nicht das bekannteste, so doch ein Aspekt des «Sonderfalls Schweiz». Es gibt wohl kaum ein anderes Land auf der Welt, das ein ähnliches System kennt. Es ist ein wesentlicher Bestandteil der «katholischen Kirche Schweiz», durch das wir als getaufte Christinnen und Christen unsere wichtige Rolle in unserer Kirche wahrnehmen können.
So wie die Kantonalkirchen mit ihren Bistümern zusammenarbeiten, läuft es ähnlich auf gesamtschweizerischer Ebene zwischen der Römisch-katholischen Zentralkonferenz (RKZ) und der Schweizer Bischofskonferenz (SBK). Unser duales System braucht diese beiden Komponenten, um zu existieren: das Bistum mit seinen pastoralen Strukturen und eben die Kantonalkirchen.Im Waadtland, von wo ich herkomme, wird dies sehr schön ausgedrückt im Satz: «Die Kantonalkirche handelt im Einvernehmen mit der diözesanen Autorität» – man muss miteinander reden, um entscheiden zu können. Mitverantwortung durch Laien gibt es bei uns schon zu einem Teil. Aber auf Gebieten wie Transparenz und Rechenschaftspflicht gibt es noch vieles zu tun.
Ganz im Geiste des synodalen Weges sind wir in der Schweiz, systembedingt, seit Langem gemeinsam unterwegs und unsere Mitfinanzierungsgremien sind paritätisch zusammengesetzt. In diesem synodalen Sinne wollen wir uns, als Zusammenschluss der Kantonalkirchen, heute auch bei vielen weiteren Themen der Pastoral und Seelsorge einbringen. Die Kantonalkirchen mit ihrem (in den meisten Kantonen) parlamentarischen System können allen Anspruch erheben, eine demokratisch gewählte Struktur der katholischen Basis darzustellen.
Die neue, für fünf Jahre bestellte Synodalitätskommission unter der gemeinsamen Verantwortung der SBK und der RKZ (in Vertretung der Landeskirchen) ist ein wichtiger weiterer Schritt in diese Richtung. Als Vertreter der Landeskirchen werden wir uns dort stark einsetzen, damit unsere Stimmen immer besser gehört werden.
Die Landeskirchen spielen deshalb heute eine wesentliche Rolle in der katholischen Kirche Schweiz. «Und das Synodenpapier aus Rom legitimiert unsere Schweizer Kirchenpraktiken», wie es Urs Brosi, Generalsekretär der RKZ, vor Kurzem in einem Interview gesagt hat. Und ich bin überzeugt: Es braucht uns mehr denn je!
Roland Loos*