Mächtig stolz – dies können die Herausgeberinnen Doris Strahm und Silvia Strahm Bernet auch auf ihr Buch sein. Vor einem Jahr erschienen, liegt es heute schon in 2. Auflage vor. Und dies erstaunt nicht. Das schön gestaltete Buch «Mächtig stolz. 40 Jahre Feministische Theologie und Frauen-Kirche-Bewegung in der Schweiz» ist ein Nachschlagewerk, für viele ein Erinnerungsbuch, auf jeden Fall ein Stück Zeit- und Frauen(kirchen)geschichte und Inspiration für kleine und grosse Aufbrüche. Das Buch zeigt, wie breit abgestützt und kraftvoll die feministisch-theologische Bewegung in den 40 Jahren war, wie kreativ, humorvoll, selbstkritisch, mutig und befreiend.
Ich gehöre nicht zu den feministischen Theologinnen der ersten Stunde. Als ich 1987 mein Studium begann, war die Bewegung schon in vollem Gang. Ich erinnere mich gut an dieses hörbare Aufatmen christlich sozialisierter Frauen, dem ich in der Bildungsarbeit begegnete, und an meine eigene Freude, als ich 1990/91 in München bei Elisabeth Gössmann in Vorlesung und Seminar sass. Es war eine völlig neue Erfahrung, eine Frau, 62, als Professorin vor mir zu sehen. Und Gössmann war unglaublich!
Für mich war feministische Theologie immer auch ein generationenübergreifender Lernort. Unzählige Frauen teilten ihr Wissen und ihre Erfahrung, über Konfessions- und Religionsgrenzen hinweg. Und dann war da dieses leidenschaftliche Ringen um die Bibel und das Gottesbild, die Suche nach einer neuen Sprache und eine Körperlichkeit im Denken, die ich oft vermisse und wohl auch selbst vermissen lasse.
Wenn heute unsere 20-jährige Tochter über Intersektionalität spricht, dann erinnere ich mich an die Kritik der Womanist Theology, die uns deutlich machte, dass Frauenerfahrungen nicht allein durch das Geschlecht, sondern auch durch Hautfarbe oder soziale Kategorien bestimmt sind. Wenn ich Diskussionen um Missbrauch und die Führungskrise in der katholischen Kirche verfolge, denke ich an Eva Renate Schmidt, die in ihren Frauenführungskursen über Leitung und Macht reflektierte und von den Teilnehmerinnen eine intensive Auseinandersetzung mit inneren Bildern von Macht einforderte. Wenn die ökologische Krise nach einem Umdenken ruft, sehe ich bei der brasilianischen Ordensfrau Ivone Gebara und dem Ökofeminismus der 1990er-Jahre fruchtbare Ansätze. Und wenn ich mich im interreligiösen Raum bewege, hilft mir die feministische Auseinandersetzung mit antijudaistischen und eurozentrischen Denkmustern und die Sensibilität für strukturelle Asymmetrien.
Die feministische Theologie liefert noch heute wichtige Impulse. Die Problemlagen sind vielfältig und die Bewegung hat sich dementsprechend ausdifferenziert. Noch steht sie aus, die erhoffte Welt ohne Diskriminierung und Gewalt.
Angela Büchel Sladkovic*