Unsere Kirche erscheint vielen irrelevant. Sie vermissen eine positive Botschaft, klassisch gesprochen ein «Evangelium», das ihr Leben meint und berührt. Wo sich das Heilsversprechen Gottes nicht im Handeln und in der Struktur der Kirche erfahren lässt, stellt sich die Frage nach der Daseinsberechtigung der Kirche.
Synodalität geht es um die Konkretion des Evangeliums in unserer Zeit. Synodalität ist «ein Weg der geistlichen Erneuerung und der Strukturreform, der es der Kirche ermöglicht, partizipativer und missionarischer zu sein, damit sie mit jedem Mann und jeder Frau gehen und das Licht Christi ausstrahlen kann.» (Nr. 28, Schlussdokument Synode über Synodalität 2024)
Gemeinsam das Licht Christi auszustrahlen, die Relevanz des Evangeliums hier und heute zu erkennen und zu leben, ist Auftrag der Kirche, ihre Sendung, Evangelisierung oder Mission. Die Begriffe sind austauschbar. Wichtig ist: Die Institution und ihre Mitgliederzahl sind kein Ziel der Mission. Vielmehr geht es um ihr gelebtes Zeugnis, um ihren von der Aktualität des Evangeliums geprägten Stil. Dieses konkrete Zeugnis ist kontextuell und situativ. Nur so antwortet es auf heutige Fragen von Heil und Unheil. So ist es relevant – und weist doch über sich hinaus.
Eine synodale Kirche strebt konkrete und lebendige Formen des Zeugnisses an, als Echo auf das grössere Heil, auf das sie vertraut. Diese grössere Zusage «hinter» dem Zeugnis zu erkennen, bleibt ein Geschenk des Glaubens.
Die obige Definition von Synodalität nennt vier Merkmale in funktionaler Zuordnung: geistliche Erneuerung und strukturelle Reform für Partizipation und Mission.
Synodale Spiritualität zeigt sich im Hören auf die Stimmen der anderen, innerhalb und ausserhalb der Kirche. Es sind die anderen, von denen wir die von uns noch ungeahnten Bedeutungen des Evangeliums in unserer Zeit und in unserer Gesellschaft lernen können. Armutsbetroffene Menschen, queere Menschen, Migrant/innen, Jugendliche … und so viele mehr: Sie alle stehen für bislang in der Kirche zu wenig gehörte Erfahrungen mit der Aktualität und Weite der frohen Botschaft. Ihnen gilt es zuzuhören – denn sie haben etwas Entscheidendes zu sagen.
Strukturelle Reformen sind Voraussetzung einer glaubwürdigen Kirche. Sie bleibt unglaubwürdig, wo sie Vertrauen verspielt, weil sie Standards der Transparenz, der Rechenschaftspflicht und die Mitwirkung aller in wichtigen Aufgaben und Entscheidungsprozessen nicht umsetzt. Die Taufwürde bleibt hohl, wenn sie nicht für alle Getauften durch die Institution voll und ganz erlebbar wird.
Nur eine Kirche, die Partizipation geistlich und strukturell lebt, findet Gesprächspartner/innen für die gemeinsame Suche nach den Spuren des Evangeliums heute. Nur gemeinsam mit ihnen kann lebendiges Zeugnis entstehen – und vielleicht die Erfahrung des Glaubens.
Arnd Bünker*